Wo, wie und was retten SIRPLUS und die Tafeln?

Wo, wie und was retten SIRPLUS und die Tafeln?

Allein in Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Davon sind, laut dem WWF, ca. 10 Millionen Tonnen vermeidbar. Davon fallen ca. 5 Mio. t, also rund 50%, beim Endverbraucher, in Deutschlands Haushalten an. Das bedeutet, dass ca. 5 Millionen Tonnen von den Lebensmitteln, die verschwendet werden, von SIRPLUS, den Tafeln, foodsharing und anderen Organisationen gerettet werden kann. 
Trotzdem erreicht uns immer mal wieder die Kritik, dass wir den Tafeln die Lebensmittel weg retten und so Bedürftigen das Essen wegnehmen. Tatsächlich ist das aber nicht der Fall, da SIRPLUS, die Tafeln und auch foodsharing größtenteils in unterschiedlichen Bereichen der Lebensmittel-Wertschöpfungskette agieren. 

Wo und wie genau SIRPLUS, die Tafeln und auch foodsharing Lebensmittel retten, wollen wir Dir in diesem Blogbeitrag ganz genau veranschaulichen.

Wo, was und wie rettet SIRPLUS? 

Wo 
Die meisten unserer Lebensmittel retten wir in großen Mengen direkt bei Produzenten, Großhändlern und Logistikern. Dies sind vor allem Lebensmittel die aufgrund des MHDs aussortiert wurden (genaueres darüber, welche Produkte wir retten, findest Du im Abschnitt “Was”). Mehr als 600 unserer Partner fallen in diese Kategorie.
Daneben retten wir aktuell Lebensmittel von vier Händlern: Lindner, real, METRO und Edeka. Außer bei der METRO retten wir aber keine Lebensmittel direkt bei den einzelnen Filialen, sondern nur in den Zentrallagern der Händler. Dies sind ausschließlich Lebensmittel, die von der Tafel nicht gerettet werden können. Gründe hierfür sind z.B.: Pfandware, Alkohol, kühlpflichtige Ware die bereits abgelaufen ist. Insgesamt retten wir sehr viel mehr Lebensmittel von Produzenten und Logistikern als vom Handel. 
Unser konventionelles Obst und Gemüse retten wir mehrmals die Woche auf dem Berliner Großmarkt, während wir das Bio Obst und Gemüse von unserem Partner Querfeld beziehen. 
Die Partner, von denen wir die meisten unserer geretteten Produkte beziehen, sind unter anderem veganz, METRO, Voelkel, Allos und Tartex (also neben METRO vor allem Produzenten & Großhändler).

Was
Seit unserer Gründung in 2017 haben wir von SIRPLUS ca. 2000t Lebensmittel gerettet. Davon haben wir ca. 180.000 Produkte an gemeinnützige Organisationen, wie z.B. die Caritas, Berliner Stadtmission, die Berliner Obdachlosen Hilfe e.V., oder auch die Tafeln gespendet.
Grundsätzlich retten wir alle Lebensmittel, die wir mit unseren begrenzten Kapazitäten retten können. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Lebensmittel, die kurz vor oder nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum liegen. Des weiteren retten wir auch Produkte, die aufgrund von Auslistungen, Produktionsfehlern, Verpackungsänderungen oder -fehlern aussortiert wurden. Den größten Teil unserer geretteten Lebensmittel bilden Getränke, Snacks, und Trockenprodukte. Wir machen keinen Unterschied zwischen vegetarisch, vegan, konventionell, Großverpackungen, Portionsgrößen oder alkoholischen Produkten. Wir retten alles, was es zu retten gibt. Die einzige Regel, an die wir uns beim Retten halten, ist die Tafel-First-Regel. 

Tafel-First-Regel 
Bei uns gilt ausnahmslos die Tafel-First-Regel. Diese wird von unseren Gründern, Raphael Fellmer und Martin Schott, seit Ihrer aktiven Zeit bei foodsharing gelebt und auch bei SIRPLUS zu 100% verfolgt.
Das bedeutet, dass wir unsere neuen Partner immer darauf hinweisen, dass wir die Tafeln mit unserer Mission nur ergänzen wollen und diese immer Vorrang hat. Wenn es also um einen Betrieb geht der schon mit der Tafel kooperiert, holt die Tafel meistens als erstes ab und wir retten nur das, was die Tafel nicht abholen kann oder möchte. Des Weiteren kaufen wir unseren Partnern die Lebensmittel nur für einen sehr geringen, symbolischen Preis ab. Damit möchten wir verhindern, dass der Anreiz, die Lebensmittel zu verkaufen statt zu spenden so gering wie möglich ist.

Wie
In Berlin werden alle Lebensmittel von uns selbst abgeholt. Dies geschieht durch unsere eigenen Fahrer. Die Produkte außerhalb Berlins werden durch eine von uns beauftragte Spedition abgeholt.

foodsharing Kooperation
Da auch bei uns manchmal Lebensmittel übrig bleiben, haben wir eine Kooperation mit foodsharing. Foodsharing holt fast täglich überschüssige Lebensmittel in unseren Rettermärkten in Berlin ab.

Wo, was und wie retten die Tafeln?

Wo
Die Tafeln retten, wie wir von SIRPLUS, überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel. Den größten Teil ihrer Lebensmittel erhalten die Tafeln von regelmäßigen Spendern, also Supermärkten, Bäckereien, Fleischereien und anderen Lebensmittelgeschäften. Diese werden täglich angefahren, um Lebensmittelspenden für Bedürftige abzuholen. Große Mengen von Herstellern werden deutschlandweit über die Tafel Deutschland und die Landesverbände an die lokalen Tafeln verteilt.

Was
Jährlich holen die Tafeln in Deutschland 264.000t Lebensmittel ab und verteilen sie an 1,65 Millionen Bedürftige - kostenlos oder gegen eine kleine Spende. Diese Lebensmittelspenden umfassen hauptsächlich Obst und Gemüse (37%), Backwaren (18%) und Milchprodukte (14%). Trockenprodukte und Getränke machen nur einen Anteil von insgesamt 9% aus. Obwohl die Tafeln versuchen, so viel wie möglich zu retten, gibt es bestimmte Produktgruppen, die sie aus unterschiedlichen Gründen nicht immer annehmen können. Dazu zählen Alkohol, Tabak und zum Teil Großpackungen, von der METRO, die eigentlich für die Gastronomie geeignet sind.

Wie
Für Warenspenden der lokalen Supermärkte, Discounter und Bäckereien sind die Tafeln vor Ort zuständig. Mit ihren eigenen Fahrzeugen holen die Tafeln täglich lokale Lebensmittelspenden ab. Wenn die Lagermöglichkeiten der einzelnen Tafeln nicht ausreichen, müssen sie hin und wieder größere Spenden ablehnen. Großspenden, also Palettenware, verteilen die Tafeln Deutschland und die Landesverbände an die über 940 Tafeln bundesweit. 

Fazit

Während die Mission von SIRPLUS primär die Wertschätzung von Lebensmitteln und ein Umdenken in der Gesellschaft ist, fokussiert sich die Tafel neben derselben Mission auf die Unterstützung von Bedürftigen. Um diese jeweiligen Ziele zu erreichen haben wir und die Tafeln den gleichen Weg gewählt: die Lebensmittelrettung. Dass wir den gleichen Weg gewählt haben stellt aber kein Hindernis dar, denn der Weg ist breit genug für uns beide, bzw. für alle Organisationen und Unternehmen die Lebensmittel retten, wie z.B. foodsharing oder auch TooGoodToGo. Schließlich werden in Deutschland jährlich 18 Mio. t Lebensmittel weggeschmissen, wovon ca. 10 Mio. t vermeidbar sind. 

Wir alle beteiligen uns am Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung, setzen aber an unterschiedlichen Punkten der Wertschöpfungskette an: 

  • Die Tafel:         Hauptsächlich beim Handel und bei Herstellern
  • foodsharing:    Handel und Privatpersonen
  • ToGoodToGo:  bei Großverbrauchern (Restaurants) und Bäckereien
  • SIRPLUS:        bei den Produzenten und Großhändlern

 

Nur durch diese Art von Ergänzung können wir die Lebensmittelverschwendung langfristig gemeinsam eindämmen. Aus all unserem Know-How und unseren unterschiedlichen Kräften ist zudem das Bündnis Lebensmittelrettung entstanden, durch das wir alle gemeinsam versuchen, die Lebensmittelverschwendung auf die Agenda der Politik zu bringen. 

Damit Du nachvollziehen kannst, wie groß das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung tatsächlich ist, wollen wir Dir hier mit Hilfe dieser Grafik aufzeigen, wer wie viel Lebensmittel rettet und wie viel trotzdem immer noch übrig bleibt.

 

 

Für mehr Transparenz findest Du hier unsere Rechnung:

18 Mio t. Lebensmittelabfälle jährlich in Deutschland
Davon 10 Mio t. vermeidbar
Von diesen 10 Mio. t. fallen 5 Mio t. beim Endverbraucher an (=50%)
Also 5 Mio. t für SIRPLUS und Tafeln jährlich rettbar:
-Tafel: 264.000 t / Jahr = 5,28% von 5 Mio. t
-SIRPLUS: 1.400t in 2019 → 1.400/ Jahr = 0,028% von 5 Mio. t.
-Foodsharing: 26.000t in 7 Jahren → 3.771t / Jahr = 0,075% von 5 Mio. t.

 

Quellen: 
WWF (2018): Das große Wegschmeißen